Kaffeereisen
Kaffeereise Panama / Costa Rica
Kaffee aus Panama hat einen ganz besonderen Ruf in der Kaffeewelt. Bis Mitte der 1990er Jahre kaum wahrgenommen, erzielen heute die aus Panama stammenden Geisha-Varietäten immer wieder neue Preis-Weltrekorde durch zahlungskräftige Käufer aus China. Wir haben bei 24grad seit 2013 regelmäßig feine Panama Naturals im Sortiment und möchten auf dieser Reise den Produzent:innen der feinen Bohnen etwas näher kommen.
Das Herz der Kaffeeproduktion Panamas liegt in der Provinz Chiriquí, in der einige der bekanntesten Kaffeeplantagen liegen. Bezirke wie Boquete, Volcán und Renacimiento sind in dieser Provinz eingebettet und vom majestätischen Vulkan Volcán Baru umgeben. Die landwirtschaftlich günstige Lage bietet viele unterschiedliche Mikroklimas, angereicherte vulkanische Böden und den mäßigenden Einfluss der sanften Brisen des Pazifiks und des Atlantischen Ozeans. Das Zusammentreffen dieser Faktoren und das als Bajareque bekannte Phänomen – ein feiner Nebel, der entsteht, wenn Nordwinde auf die Berge treffen – sorgen für eine einzigartige Umgebung. Dieser Nebel senkt die Temperaturen in der Umgebung der Kaffeefarmen und verlangsamt die Reifung der Kirschen. Der langsamere Reifungsprozess führt zu einer höheren Zuckerkonzentration und mehr flüchtigen Ölen, die dem Kaffee letztlich eine angenehme Süße, Komplexität und Reichhaltigkeit verleihen.
Zum Zeitpunkt unserer Reise (Ende Februar/ Anfang März 2025) ist in den meisten Anbaugebieten die Ernte bereits beendet. Es werden noch verbliebene un- oder überreife Kirschen von den Bäumen geholt, damit darin eventuell enthaltene Schädlinge wie z.B. der Coffee Borer nicht im Feld verbleiben. Diese Kirschen werden als minderwertige Qualität verarbeitet und finden ihre Abnehmer u.a. in löslichen Cappuccino Päckchen.
In höher gelegenen Regionen reifen die Kaffeekirschen langsamer, dort hängen die Bäume immer noch voll. Da nicht alle Kirschen auf einmal reifen, muss in ca 10 Anläufen geerntet werden. Diese Höhenlage, in der ein eher kaltes und feuchtes Klima vorherrscht, vetragen nicht alle Varietäten gleich gut, aber dem berühmten Panama Geisha geben genau diese Bedingungen das hoch gehandelte Geschmacksprofil.
Die Produzenten befürchten geringere Erträge durch den Klimawandel; aktuell dadurch bedingt, dass es überraschend viel regen in Januar und Februar gab und die Pflanzen entsprechend darauf reagiert haben.
Die Qualität des panamaischen Kaffees ist vor allem dem idealen Klima und Terroir zu verdanken. Der überwiegende Teil der Spezialitätenkaffees wird in der Provinz Chiriquí in den Regionen Boquete und Volcán-Candela angebaut. Die Regionen werden geprägt von dem knapp 3.500 m hohen Vulkan Barú, der die Böden der Umgebung sehr fruchtbar gemacht hat. An den umliegenden Hängen bauen viele Bauern ihre Kaffeepflanzen inmitten des Waldes auf einer Höhe bis zu 2.100 m an.
Cupping in the clouds – Mill Cumbre mit Mario Fonseca
Nach der Ankunft in Panama City gestern hat sich unsere Kaffee-Reisegruppe im Hotel zusammen gefunden. Uschi von Goldkind in Linz hat die Reise organisiert, die uns durch die Anbauregion Boquete führen wird. Mit dabei sind Lukas von Watchhouse Coffee in London, Siebe von Friedhats in Amsterdam und Lisa und Ivan von der Kaffeeothek in Wells.
Nach dem Kennenlernen mit panamaischem Bier und sehr leckerem regionalen Essen ging’s nach kurzer Nacht um 5.30 Uhr Richtung Boquete. Der Weg dorthin von Panama City ist lang; zuerst mit dem Flugzeug nach David, wo uns Roy mit einem kleinen Bus abgeholt hat. Ab jetzt geht’s steil bergauf, wie bei Kaffeefarm-Besuchen so üblich. Weit oben in den Wolken erreichten wir das Estate Mill Cumbres von Mario Fonseca. Die Farm liegt in Cordillera, einem Gebiet in der Nähe der Stadt Volcan, in der Provinz Chiriqui, an den Hängen des Vulkans Baru, zwischen 1.600 und 2.000 m. Bei klarer Sicht kann man bis zum Pazifischen Ozean sehen. Von der Gesamtfläche von 60 Hektar werden 25 Hektar für den Kaffeeanbau genutzt. Der Rest ist ursprünglicher Dschungel mit seiner reichen Artenvielfalt, der Teil des Baru Volcano National Park ist.
Die Atmosphäre beim Cupping im „Labor“ auf einem der Hügel war gigantisch: immer wieder schauten Wolkenteile neugierig durch die Fenster. Anschließend zeigte uns Mario seine Farm. Er widmet sich seit einigen Jahren mit Leidenschaft dem Ausbau und Segmentierung seiner Plantage. Um in den vielen verschiedenen Mikroklimas, die auf dem weitläufigen Areal vorherrschen, die bestmögliche Kaffeequalität zu erzeugen, hat sich Mario vorgenommen neben dem berühmten Panama Geisha auch viele andere Varietäten anzubauen, mittlerweile sind es ca 16 verschiedene.
Abends ging es zur Finca Hartmann wo wir als erstes freudig von den Hunden der Farm begrüßt wurden. Die Familie Hartmann hat uns mindestens ebenso herzlich aufgenommen und wir durften in einem abseits der Farm gelegenen Gästehaus, wo wir mit dem Konzert der Waldbewohner schnell einschlafen durften.
Finca Hartmann – Kaffeeanbau im Einklang mit der Umwelt
Die Familie Hartmann hat uns zum Cupping ihrer Kaffes auf die Hauptfinca eingeladen. Es waren ausgezeichnete Kaffees auf dem tisch und es sieht so aus, als ob wir Euch zwei davon in den nächsten monaten präsentieren dürfen. Die Hartmanns sind Pioniere des Spezialitätenkaffees in Panama. Die Geschichte beginnt vor zwei Generationen mit Alois Hartmann, der 1912 aus der historischen Region Mähren, die heute zur Tschechischen Republik gehört, nach Panama auswanderte. Für die Kaffeefarm kaufte er 500 Hektar von der panamaischen Regierung und gab 100 Hektar dieses Landes mit Urwald an seinen Sohn Ratibor, der bei der US-Armee in Panama-Stadt arbeitete. Dieser sah das Potential für Kaffee und machte aus diesem Land die Kaffeefarm Finca Hartmann. Im Jahr 1966 heiratete Ratibor Dinorah Sandí aus Costa Rica. Gemeinsam zogen sie 5 Kinder auf: Ratibor Jr., Allan, Alexander, Aliss und Kelly. Heute ist die Finca Hartmann ein Familienbetrieb – jedes Familienmitglied ist mit Leidenschaft in die Leitung eingebunden und übernimmt eine andere Funktion im Wachstum, in der Produktion und im Tourismus der Farm.
Die Familie pflanzt weiterhin einheimische Bäume, um die Gesundheit des Ökosystems zu gewährleisten. Das Land ist berühmt für die Beobachtung von Vögeln, von denen rund 300 verschiedene Arten gezählt werden, und ihr Kaffee ist als vogelfreundlich zertifiziert.
Die Finca Hartmann ist sehr groß und in verschiedene Bereiche aufgeteilt und umfasst auch fast 100 Hektar Waldreserven, die an den Parque Nacional de La Amistad grenzen. Vom Familienanwesen mit Wohnhäusern, Büros, einer Verarbeitungsmühle und einigen Gästehäusern geht es weiter den Berg hinauf:
Santa Cara, Finca Momoto (die Farm von Aliss Hartmann), Campamento, Chicho Gallo (benannt nach Ratibor Senior – sein Spitzname war ‘Chicho’), Ojo da Aqua, Enders, Rocky Mountain (die Farm von Allan Hartmann), Manantial und Finca Guarumo (die Farm von Allan und Ratibor Jr.). Die Farm Mi Finquita von Tessie und Ratibor Hartmann liegt in einem etwas anderen Teil der Region. Die Familie Hartmann ist seit jeher experimentierfreudig und waren so die ersten Produzenten in Panama, die die Varietät Maragogipe anbauten. Generell versuchen die Hartmanns keine Bäume zu fällen, sondern pflanzen einheimische Bäume und Kochbananen wieder an, um den natürlichen Kreislauf und eine gesunde Boden- und Tierwelt zu erhalten.
Finca Auromar – Nachhaltiger Kaffeeanbau auf dem Weg zum Himmel
Roberto Brenes hat uns auf seine Finca Auromar eingeladen. Sie gehört zu seiner Finca La Aurora und liegt in der nordwestlichen Ecke der Provinz Chiriquí in der Region Piedra La Candela, nur zwei Kilometer von der Grenze zu Costa Rica entfernt. Auf der Finca Auromar (benannt nach Robertos Tochter Aurora und seiner Enkelin Mar) werden hochwertige Geishas und auf der Finca Alma andere SHB-Kaffees produziert. Die Finca liegt zwischen 1.579 und 1.770 m und umfasst 30 Hektar, von denen 14,5 bewirtschaftet werden, der Rest ist unberührter tropischer Hochlandwald.
Roberto hat die Fincas 2006 übernommen und erstmal Wiederaufforstung betrieben: zum einen mit ausgewählten Kaffeepflanzen und zum anderen mit einheimischen Bäumen. Als Vorbild hatte er Äthiopien im Sinn, wo Kaffeepflanzen wild zwischen anderen Waldpflanzen wachsen und so spezielle Geschmacksprofile entstehen lassen. Die Kaffees gedeihen in einer Umgebung, in der sie sich sehr wohl fühlen – mitten im Dschungel, mit Schatten durch einheimische Bäume, einem stabilen Mikroklima mit geringen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht, an steilen Hängen. Roberto Brenes ist eine wirklich interessante Persönlichkeit. Als Direktor der panamaischen Börse und ehemaliger Direktor der Zentralbank Panamas ist er eine herausragende Autorität auf dem lokalen Finanzsektor. Er verbrachte mehrere Jahre im Exil, weil er das Noriega-Regime offen kritisierte, und einige Jahre in New York, wo er einen MBA-Abschluss erwarb. Er ist ein leidenschaftlicher Ironman-Teilnehmer und ein passionierter Kaffeeanbauer. Den Eifer, den er für alles in seinem Leben aufbringt, wendet er nun auf den Kaffeeanbau an, und die Ergebnisse sind offensichtlich.
Nachdem uns Roberto quer durch seine Farm auf die höchstgelegene Ebene (genannt „Straße zum Himmel“) geführt hat, bot sich uns ein spektakulärer Ausblick inmitten noch blühender Kaffeebäume. Auf dem Weg dorthin hatten uns Vögel, Schmetterlinge und sicher noch ganz viele andere, unentdeckte Tiere begleitet. Anschließend durften wir an einem richtig schön hohen Cupping Tisch einige seiner Kaffee cuppen und bestaunen. Vor allem die zwei Pacamaras mit spezieller Aufbereitung („frio“ und „agua“) konnten uns begeistern.
Totumas Cloud Forest Coffee – Schöner geht’s kaum
Eingebettet in das 140 Hektar große Schutzgebiet des Nebelwaldes von Mount Totumas wächst Kaffee auf 1.900 m über dem Meeresspiegel. 2008 haben die Jeffrey und Michael Dietrich 80 ha Land gekauft, um ein Naturparadies für Ökotourismus fernab der Straßen zu schaffen. 2013 wurden die ersten Kaffeebäume angepflanzt, mittlerweile wachsen 25.000 Bäume versteckt zwischen der ursprünglichen Vegetation auf ca 15 ha. Die anderen 65 ha werden im ursprünglichen Zustand verbleiben um die Natur in ihrer schönsten Form beobachten zu können. Und so wird es auch bleiben; trotz der jüngsten Erfolge beim best of Panama Wettbewerb (2023 erster Platz in der Kategorie Geisha Natural) wird die Kaffeeanbaufläche nicht erweitert werden. Nach einem fantastischen Frühstück in unberschreibbar malerischer Kulisse, umgeben von Kolibris und anderen Vögeln, die sich eifrig auf die angebotenen Futterstellen stürzten, gab uns Jeffrey eine Führung über die wichtigsten Punkte von Mount Totumas.
Das Resort versorgt sich komplett selbst mit Strom mit Hilfe eines kleinen, selbst restaurierten Wasserkraftwerks und für die Kaffees stehen besondere Trocknungsmethoden zur Verfügung: bis zu einem Feuchtigkeitsgehalt von 17-18% wird im Gewächshaus getrocknet, dann kommen die ganz besonderen Bohnen 2-3 Tage in gekühlte Trocknungshäuser bis ca 11% erreicht sind. Für ganz spezielle Lots werden die Kirschen nach der Ernte in Säcke gepackt, die 10-15 Tage im kühlen Bergwasser gelagert werden und dann 4-5 Wochen trocknen.
Mount Totumas wird von einer Gemeinschaft betrieben, in der jedes Mitglied seine einzigartigen Fähigkeiten und Leidenschaften einbringt. Von Alma, der Köchin, die lokale Produkte in kulinarische Meisterwerke verwandelt, über das Allround-Talent Jeffrey bis hin zu Karin, die sich um die Kaffeespezialitäten kümmert, ist jede/r Einzelne hier ein wichtiger Teil des Gesamtkonzepts. Dieser ökologisch orientierte Ansatz ist die Philosophie, die jedem Aspekt unseres Betriebs zugrunde liegt – vom Samen bis zum blühenden Baum und von jeder Bohne bis zu Ihrer köstlichen Tasse.
Finca Janson – Familientradition mit Nachhaltigkeit
Jeanette Janson von Janson Coffee Farms hatte uns zu einem Cupping ihrer feinen Kaffees eingeladen. Die Finca Janson befindet sich im Hochland von Chiriqui, an den Hängen der Vulkane Tisingal und Baru, in Höhenlagen zwischen 1.350 – 1.700 m. Sie wurde von dem schwedischen Auswanderer Carl Axel Janson 1941 gegründet. Ursprünglich wurde auf der Finca Janson ausschließlich Viehzucht betrieben, in den 1980er Jahren wurde das große Potential für den Anbau von Kaffee und anderen Pflanzen entdeckt, 1993 ein großes Beneficio gebaut, um bessere Kontrolle über den verarbetungsprozess zu bekommen Heute werden auf dem weitläufigen Areal in großen Hydroponic-Anlagen Gemüse angebaut. Jeanette Janson gehört zur dritten Generation, die die Finca bewirtschaftet ihr Sohn hilft bereits eifrig mit. Mit 400 auf der Farm verteilten Solar Panelen versorgt sich die Finca Janson komplett selbst mit Energie.
Finca Kotowa – ganz feine Aromen im Einklang mit Natur und Mensch
Die Kotowa Farmen werden von Ricardo Koyner und seiner Tochter Victoria geleitet. Auch hier ist eine Migrationsgeschichte im Spiel: Ricardos Großvater Alexander Duncan MacIntyre kam aus Kanada für den Bau des Kanals nach Panama und traf dort seine zukünftige Frau. Aus der gegenseitigen Liebe entstand mit viel Zeit und Arbeit die Kaffeefarm, von der die wunderbaren Aromen stammen, die wir heute in unseren Kaffeetassen finden können. Da schon Ricardos Großvater im Einklang mit Natur und Umgebung arbeiten wollte, gab er der Farm einen Namen aus der indigenen Sprache: „Kotowa“ stammt von einem indigenen Wort, das „Berge“ bedeutet.
Kotowa besteht aus mehreren kleinen Fincas: Las Brujas, Don K, Duncan, Rio Cristal und Carolina. Auf letzterer befindet sich auch das Beneficio und dort hatte uns Ricardo zum Cupping eingeladen. Auf den Fincas werden bei der Ernte viele einzelne, zum Teil sehr kleine Lots aussortiert und speziell aufbereitet, je nach Varietät, Höhenlage und Reifezeitpunkt. das Qualitätssystem gewährleistet eine Rückverfolgbarkeit jeder Charge. Jeder Sack Kaffee ist mit einem Identifizierungscode versehen, der es ermöglicht, detaillierte Informationen über alle landwirtschaftlichen und verfahrenstechnischen Aktivitäten zu dokumentieren.
Auf der Finca Kotowa wird viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Im Laufe der Jahre wurde Kotowa Farms mehrfach mit dem Best of Panama Preis in verschiedenen Kategorien ausgezeichnet, wurde zweimal als Produzent des Jahres geehrt und erhielt außerdem vom Arbeitsministerium die Goldene Plakette für soziale Praktiken und Sozialprogramme. Außerdem wurde Kotowa Farms zweimal vom Umweltministerium mit dem Nationalen Preis für eine saubere und nachhaltige Industrie ausgezeichnet, und zwar mit dem ersten Preis für alle Erhaltungs- und Regenerationspraktiken sowohl in der Mill als auch auf der Finca selbst. Darüber hinaus gibt es auf dem Beneficio eine Art Museum, in dem historische Maschinen der Kaffeeverarbeitung aufbewahrt werden.
Wenn man durch Panama reist, trifft man hier und da auf kleine Caféläden mit dem Namen Kotowa. Diese gehören zur Finca und werden von Ricardos beiden Schwestern geleitet. Ricardos Tochter Victoria ist stark in die Fincas eingebunden und hat das Cupping vorbereitet, bei dem wir unglaubliche Aromenvielfalt verkosten durften. Wenn alles klappt, werden wir einen davon in den nächsten Monaten in Hannover präsentieren dürfen.
Gran Del Val – die Gebrüder Fernández
Nordwestlich von Boquette, in einem Gebiet umsäumt vom Fluss „Caldera“ und auf einer Höhe von 1.300 – 1.400 Metern liegt die Farm „Gran Paraiso“. Geführt wird sie von den Gebrüdern Rudolfo, Edgar und Ricardo Fernández. Nicht nur der wunderschöne Garten fällt uns sofort ins Auge, sondern auch die pittoresken Gebäude, welche offensichtlich schon seit Generationen für die Aufbereitung von Kaffee genutzt werden. Ein kleiner Anbau, der schubladenartige „African Beds“ zum mobilen Ein- und Ausfahren je Wetterlage hat, beeindruckt uns dabei am meisten. Aber auch die moderne und ökologisch ausgezeichnete Aufbereitungsanlage kann sich sehen lassen.
Die Geschichte des Unternehmens reicht bis ins Jahr 1914 zurück, wo die erste, der insgesamt drei Plantagen gegründet wurde. Ursprünglich hatte Joseph De Dianous, ein französischer Ingenieur, sich 1880 auf den Weg nach Panama gemacht, um für die französische Baugesellschaft „Compagnie Universelle du Canal Interocéanique“ am Panamakanal zu arbeiten. Sein Sohn Gabriel De Dianous kauft schließlich die ersten Ländereien in Bajo Mono, Boquete wo er die Finca Gladys gründet. Nach seinem Tod übernimmt seine Frau Gladys die Geschäfte und führt sie erfolgreich weiter.
Die darauffolgende Generation um Ricardo Fernández Carazo und seiner Frau Teresita De Dianous setze die Familientradition fort und vermarkten ihre Produkte erfolgreich auf dem inländischen Markt. Wiederum ihre Kinder, Ricardo, Edgar und Rodolfo Fernandez De Dianous, in vierter Generation, gelingt der Export des Rohkaffees auf internationale Märkte. Sie sind am heutigen Tag unsere Gastgeber und laden uns, nach einer kurzen Führung durch die Anlagen, zum Cupping ein. Wir sind begeistert von der Vielseitigkeit der dargebotenen Sorten. Während wir bisher den Eindruck hatten, dass die besuchten panamaischen Kaffeebauern sich fast ausschließlich nur auf Geisha-Varietäten fokussieren, so präsentieren uns die Brüder Fernández, neben ihren Geishas stolz ihre Pacamara und Catuai Varietäten.
Am Ende der Verköstigungsrunde werden wir noch zum Lunch im wunderschönen Garten der Hacienda eingeladen und treffen weitere Familienmitglieder. Die Herzlichkeit, mit der wir in den Kreis der Familie eingebunden wurden, versüßte uns das reichhaltige Buffet und wir staunten über so manche Anekdote, die uns Rudolfo erzählt. So war er beispielsweise dabei, als die berühmte Geisha-Varietät in Panama im Jahr 2004 zu Ruhm gelangte.
Ursprünglich kommt sie, genau wie alle anderen Kaffee-Varietäten, aus Äthiopien und fand von dort aus in den 1950er Jahren ihren Weg über Kenia und Tansania nach Mittelamerika. Zunächst wurde sie in Costa Rica angebaut, aber da die Pflanzen nicht so ertragreich waren wie andere, verschenkte die Regierung sie an das Nachbarland Panama, welches zu dieser Zeit noch keinen nennenswerten Boom in der Branche zu verzeichnen hatte. Dort verarbeitete man die in der Kultivierung anspruchsvolle Pflanze ebenfalls nie als einzelne Varietät. Erst als Daniel Peterson von der „Hacienda La Esmeralda“ beim „Cup of Panama“ ein separat verarbeitetes Geisha-Lot einreichte, richtete sich das Auge der Kaffeewelt auf Panama und diese besondere Kaffeesorte.
Rudolfo hatte zuvor zusammen mit Daniel und einigen anderen Farmern das sagenhafte Tässchen blind verkostet und ihn bestärkt diese Sorte einzureichen, obwohl niemand sagen konnte, um was es sich dabei genau für eine Sorte handelte. Er erzählte uns lebhaft, wie sie alle Daniel durch die Plantage folgten, um gemeinsam die sagenhafte Pflanze in Augenschein zu nehmen, von welcher erst ein Gen-Test ihre spezielle Varietät aufklären konnte. Der Rest ist Geschichte und eine extrem erfolgreiche für das Land, denn inzwischen ist es die teuerste Varietät der Welt.
Mit ein wenig Wehmut verabschieden wir uns von der Familie und freuen uns über ein Päckchen Pacamara in unserer Tasche und viele lebhafte Eindrücke.
Altieri – Innovative Ideen, geboren aus einem weitsichtigem Erbe
Am Nachmittag waren wir auf der Farm der Altieri-Familie eingeladen. Die moderne Architektur der Gebäude und der angrenzenden Rösterei mit eigenem Café beeindruckte uns sofort. Francisco, der Sohn des einstigen Gründers Eugene Altieri, empfängt uns. Die rege Geschäftigkeit an diesem stilvollen Ort zog uns sofort mit sich und auch Francisco führte uns direkt hinein in das quirlige Treiben. Wir bekommen unter anderem die Trockenräume zu sehen, in denen neben den professionellen Luftentfeuchter auch die vier Ventilatoren auffallen, die so angeordnet, sind, dass die Luft im Kreis zirkulieren kann. Francisco führt auch auch durch das Lager und den Anlieferungsbereich. Dort fiel uns sofort ein Stapel an schmutzigen, nassen Säcken auf, woraufhin Francisco uns erklärte, dass diese in einem nahe gelegenen Flussbett kalt fermentiert und gerade ganz frisch angeliefert wurden. In dem Kanal, der seinerzeit extra für die Eisfabrik angelegt worden war, werden Säcke mit 22kg Kaffeekirschen, die extra für diese Methode ausgesucht worden sind, für mehrere Tage in das kalte Flusswasser versenkt und danach getrocknet.
Die Plantagen der Farm liegen am Osthang des Baru-Vulkans, umgeben von den unberührten Nebelwäldern des Baru-Nationalparks, auf einer Höhe zwischen 1.600 und 2.200 Metern. Dieses Gebiet besteht aus vulkanischen Böden, die am Hang entlang des Berges günstig liegen um genügend Niederschlag zu erhalten.
Die Farm wurde während der Kaffeekrise Ende der 1990er Jahre von Eugene Altieri (genannt Don Gen), einem italienisch-amerikanischen Geschäftsmann, gegründet. Er kaufte die Farm ohne das Potenzial für den Anbau von Spezialitätenkaffee zu kennen. Bevor er mit dem Kaffeeanbau begann, betriebt er eine Eisfabrik auf dem Gelände. Die ehemaligen Produktionsstätten sind inzwischen vollständig zu Verarbeitungsorten von Kaffee umgewandelt wurden.
Nach der Besichtigung des Geländes werden wir schließlich in den Cupping Raum eingeladen, welcher ebenfalls in modernster Architektur durchgestylt ist. Anna Lynn, die Schwester von Francisco, empfängt uns und auch Roger Pitti, der Manager der Farm, gesellt sich zum cuppen zu uns. Nun dürfen wir uns unter anderem von dem außergewöhnlich feinen Geschmack der Flussfermentation überzeugen und sind überrascht, was für eine hohe Qualität in den, auf den ersten Blick schmuddeligen Säcken steckt.
Während wir außerdem eine große Auswahl an Varietäten wie Caturra, Catuai, Typica und auch Geisha verkosten dürfen, schieben sich vor dem Fenster eine der klassischen Nebenwolken vorbei. Kurz darauf folgte ein Regenschauen und dann erstrahlte zu unserer Freude ein Regenbogen über das Tal. Beeindruckt von der Innovation und der überzeugend guten Qualität, beenden wir unseren Aufenthalt mit einem kurzen Stopp in Rösterei, um eine Kostprobe mit nach Hause bringen zu können.
Carmen Estate – Bodenständigkeit aus Familientradition
Am Stadtrand von Pasa Ancho, westlich von Boquette und nahe der Grenze zu Costa Rica, besuchen wir die Farm von Carmen Estate, die ihre Plantagen an den westlichen Hängen des Vulkans Baru betreibt. Hier begegnen wir einem bekannten Gesicht, nämlich Jean-Paul Langenstein, dem Schwiegersohn von Rabitor Hartmann jr. und dessen Familie ebenfalls europäische Wurzeln hat und ursprünglich aus der Schweiz übersiedelte.
Er ist der Manager der Carmen Estate Plantagen und plant zusammen mit Carlos Francheschi, dem Enkel des Farmgründers, prestigeträchtige Projekte, wie u. a. der Anbau von Geisha Pflanzen. Die qualitativ hochwertige Kultivierung der Premium-Varietät brachte der Plantage 2023 den Sieg im „Best of Panama“ Wettbewerbs ein. Auf einer Auktion brachte die Charge schließlich die bisherige Weltrekord Summe von 10.000 $/kg die erst kürzlich von einem Kollegen, den wir ebenfalls noch besuchen werden, übertroffen wurde.
Die Geschichte der Farm reicht in das Jahr 1960 zurück, als Carmen Francheschi ihrem Mann Efrain vorschlug auf dem neu erworbenen Land Kaffee anzubauen. Ihr zu Ehren benannte er die Plantage nach ihr. Inzwischen bewirtschaften die Enkel der beiden die Farm und bauen auf die bereichernde Fachkundigkeit von Jean-Paul.
Unser Eindruck von der Farm ist ein sehr bodenständiger, der Cupping Raum wirkt funktional für das geschäftige Büro nebenan. In der Halle stehen Fundstücke von alten Verarbeitungmaschinen, die African Beds sind klassisch aus Holz und auf dem Boden des Geländes werden Repellas getrocknet. Nach Luxus sieht hier nichts aus, sehr nach harter Arbeit und jeder Menge Fleiß.
Lamastus – Ein Meister seiner Klasse
Im Cupping Room der Familie Lamastus geht es geschäftig zu als wir ankommen. Neben uns ist ein asiatisches Geschäfts-Duo zugange, die unseren Gastgeber Wilford Lamastus voll in Beschlag nehmen. Es wird probiert, gefachsimpelt und die Suche nach „dem Besonderen“ betont. Zwischendrin gibt es Video-Calls mit Kolleg:innen aus Fernost, bei denen Wilford immer wieder als gutgelaunter Geschäftspartner in die Kamera winkt. Auf uns wirkt die Szenerie leicht befremdlich und wir stellen uns die Frage, wer ist der Mann hinter dem Mythos Lamastus, von dem wir zuvor schon ein paar erfolgreiche Geschichten gehört haben. Im Moment müssen wir uns noch gedulden, denn bevor wir mit ihm ins Gespräch kommen können, wickelt er noch dieses lukrative Geschäft ab.
Die Geschichte der Lamastus Familie nahm vor gut 100 Jahre ihren Anfang als Robert Lamastus im Jahr 1918 die Farm nördlich von Boquette gründete. Er kam ursprünglich aus Kentucky und tat als Soldat seinen Dienst beim Bau des Panamakanals. Als er aus dem Dienst ausschied, heiratete er die einheimische Elida Saldaña und hatte fünf Kinder mit ihr. Nach dem Tod von Robert führte sie die Plantage erfolgreich weiter und schickte ihre Kinder zur Ausbildung in die USA. Einer der Söhne, Thatcher Lamastus, kam zurück und trat in die Fußstapfen seines Vaters. Heute steht das Unternehmen unter der Leitung von Wilford Lamastus, der mit der Hilfe seines Bruders und seines Sohnes Wilford jr. die Geschicke des Unternehmens weiterhin erfolgreich voran treibt.
Nachdem Wilford die Gäste aus Asien verabschiedet hat, führt er uns durch das Gelände und präsentiert uns stolz eine Reihe von „reaktiven Fermentern“ die er erst kürzlich in Betrieb genommen hat. Sie ermöglichen eine „anerobe slow dry“ Fermentierung, die ohne jegliche Kontaminierung der sauerstoffarmen Umgebung von statten gehen kann. Der Unterschied zwischen seinen „Reaktoren“ und den sonst üblichen Fermentationstanks ist, dass sich bei den Tanks Schichten biklden, in denen die Kirschen jeweils unterchiedlich fermentiert werden, während im Reaktor durch die konstante Drehung alle Kirschen in der gleichen Weise fermentieren. Kurz darauf nimmt er uns mit auf einen Ausflug in seine drei Plantagen Elida, Liuto und El Burro, welche alle nah beieinander liegen und trotzdem sehr unterschiedliche Mikroklimata aufweisen.
Auf der Elida Estate Plantage, die erste der drei Plantagen die Robert Lamastus erwarb und bepflanzte, befindet sich das preisgekrönte „Torre Lot“, welches seit 2005 die berühmte Geisha Varietät auf 1.800 – 2.500 Metern beherbergt. Dies ist damit die höchstgelegene Plantage Panamas. Von Wilford fällt nun spürbar der Stress seiner Geschäfte ab und als er inmitten seiner Pflanzen steht und zu erzählen beginnt, wirkt er sehr viel zugänglicher und nahbarer als zuvor. Er verrät uns, dass hier der Kaffee von den Bäumen gepflückt und sofort in einen luftdichten Behälter umgefüllt wird. Die Ernte ruht dann 5 Tage lang ungestört, bevor der Behälter geöffnet und fein sortiert wird. Danach trocknet der Ertrag ungefähr 40 Tage lang in speziellen Räumen. Genauso stolz erklärt er uns außerdem, dass er seine gesamte Anlage mit eigenem Solarpaneelen versorgt und somit eine sehr positive Öko-Bilanz aufweisen kann.
Er erklärt uns außerdem, dass die Familie nach der Wiederentdeckung des Geisha viel experimentierte und herausfand, dass man die besten Geschmacksprofile erzielt, je höher die Pflanzen kultiviert werden. Sie wachsen dadurch sehr viel langsamer. Auch ihre Beschaffenheit spielt eine entscheidende Rolle, ihr Blattsystem ist im Vergleich zu anderen Sorten sehr dünn, weswegen die Fotosynthese weniger effizient abläuft und sie weniger Energie aus der Sonne ziehen kann. Davon abgesehen ist auch ihr Wurzelsystem nicht so stark, daher kann sie im Durchschnitt weniger Wasser aufnehmen und hat somit sehr viel weniger Ertrag als zum Beispiel die häufig gepflanzte Catuai-Varietät.
Wir verabschieden uns am Ende mit großer Begeisterung von Wilford, der einerseits der einzige panamaische Kaffeefarmer ist, der einen verträglichen Weg gefunden zu haben scheint, mit dem begierigen Markt in Fernost seine Geschäfte zu machen und andererseits äußerst wertschätzend mit seinen Pflanzen, Mitarbeitern und Gästen umgeht.
P.S.: Laut eigener Aussage hält er momentan den Auktions-Weltrekord mit einer ersteigerten Summe von 13.000 $/kg Kaffee.
Bonita Springs – Ein Paradies zwischen zwei Flüssen, vier Bächen, fünf natürlichen Quellen und zwei Wasserfällen
An einem müden Nachmittag, als wir dachten, schon genug Kaffeepflanzen und Cupping Tassen gesehen zu haben, kehrten wir zu einem Rundgang auf der Farm von Bonita Springs ein. Sie befindet sich in Boquete in der Provinz Chriqui, ist seit über 80 Jahren im Besitz der Familie Miró und wird von Jessie Hartmann bewirtschaftet. Jessie ist die Tochter von Rabitor Hartmann jr. und blickt dadurch auf eine lange Familien-Expertise zurück. Hilfreiche Tipps bekommt sie außerdem von ihrem Ehemann Jean-Paul Langenstein, dem Manager der Carmen Estate Farm.
Nach unserer Ankunft gehen wir auf einen ausschweifenden Spaziergang auf dem 36 Hektar großen Kaffeeanbaugebiet, entlang der Hänge des Boquete-Tals. Wasser ist das dominierende Element der Farm: Zwei Flüsse, vier Bäche, fünf natürliche Quellen und zwei Wasserfälle fließen durch und über das Land und prägen die Bodenchemie und die einheimische Flora und Fauna. Durch die hohe Niederschlagsmenge und Feuchtigkeit des Tals, kalte neblige Atlantikwinde, sowie wärmere Pazifikbrisen aus dem südlichen Tiefland, besitzt das Grundstück eine einzigartige Reihe von natürlichen Mikro-Klimazonen.
Auf unserem Weg begegnen wir einer lebhaften Tier- und Pflanzenwelt aus Schmetterlingen, Rauben, Vögeln, Baumtomaten, Blumen und einer delikaten heimischen Zitronenart. Der Gründungsgedanke der Farm betraf vor allem einen Anbau, der mit so wenig wie möglich chemischer Behandlung auskommt – dies zeigt sich bei der Vielfalt deutlich.
Im Jahr 2017 haben sich Arturo und Olmedo Miro entschieden, die Farm auf modernste Weise um- und auszubauen, eine eigene Aufbereitungsanlage zu bauen, spannende neue Varietäten zu pflanzen und Verschiedenes mehr. Dadurch wurde der Grundstein für eine Zukunft voller hochspannender Spezialitätenkaffees gelegt, in welcher wir auf einen regen Austausch hoffen.
K&R Coffee / Plinio Ruiz – Ein Leben für den Kaffee und die soziale Gemeinschaft
Als letzte Station unserer Reise besuchen wir die Familie Ruiz und sofort werden wir mitgerissen von Plinio Ruiz positiver Art. Er lacht gern, ist äußerst herzlich und schätzt unsere Meinung zu seinen Kaffees, genauso wie die seiner Mitarbeiter.
Während wir zusammen mit ihm seine Auswahl cuppen, erfahren wir mehr über sein bewegtes Leben, denn er ist ebenfalls ein Kaffeefarmer in vierter Generation. Er erzählt uns, dass bereits seine Mutter Ende des 19. Jahrhunderts auf einer Kaffeeplantage aufwuchs und später, zusammen mit ihrem Mann eine eigene Plantage führte. So kam Plinio schon früh mit der Kultivierung und Verarbeitung von Kaffee in Berührung und seine Leidenschaft wurde ihm förmlich in die Wiege gelegt. Dennoch schickten seine Eltern ihn für ein Bibelseminar nach Guatemala, welches er jedoch aus finanziellen Gründen nach einem Jahr abbrechen musste. Er kehrte schließlich zurück und vertiefte dort sein Wissen im elterlichen Betrieb.
Zusammen mit seiner Schwester Maria führte er viele Jahre eine eigene Plantage unter dem Namen „Casa Ruiz“, dabei legten die beiden besonders Wert auf nachhaltige und ursprüngliche Bewirtschaftungen. Sie durchmischten die Vielfalt an Bäumen zwischen den Kaffeepflanzen, um nicht nur geeignete Schattenbäume zu haben, sondern auch Nistplätze für Zugvögel. Außerdem legten sie ein besonderes Augenmerk auf die Förderung des indigenen Ngäbe-Volks, sie boten Unterricht in Spanisch und Lesen und Schreiben in der indigenen Sprache der Menschen an. Sie halfen ihnen mit einem Modell-Programm bei der Zertifizierung des Kaffees, den die Ngäbe auf ihren eigenen Plantagen anbauen und unterstützen diese mit ärztlicher Versorgung und Barista Kursen.
Über die Jahre erweiterte sich der Kreis an Plantagen, mit denen die Familie geschäftlich zusammenarbeitete und schließlich entschied sie sich dazu, ihre Geschäfte neu aufzustellen. Heute liegt ihr Hauptfokus, neben den Schulungen, vor allem auf der Röstung, Verpackung und Vertrieb der Kaffees der zahlreichen einheimischen Partner-Plantagen.
Diese Geschichte deckt sich mit dem Plino Ruiz den wir kennengelernten haben; er ist ein gesetzter Geschäftsmann, der niemanden mehr etwas beweisen muss. Er hat viel Positives für die Gegend beigetragen und kann nun mit Genugtuung sein Business auf seine Vorlieben ausrichten und das liegt beim Café Betrieb, beim Rösten und beim Verpacken von Kaffee der unterschiedlichsten Familien-Betriebe, die mit ihm zusammenarbeiten.
Volcafe – El General / Costa Rica
Als wir am Morgen von Boquete aus aufbrechen, macht sich zwar etwas Abschiedsschmerz bemerkbar, aber sind wir schon voller Vorfreude auf unsere Weiterreise nach Costa Rica. An der Grenze treffen wir auf freundliche Beamte und eine angespannte Lage. Später erklärt man uns, dass die Push-backs durch die amerikanische Grenzschließung nach der Wiederwahl Donald Trumps für diese Anspannung sorgt. Viele Flüchtlinge aus Südamerika, die nun in ihre Länder zurückreisen, laufen an den Grenzposten auf und haben zum Teil keine oder unvollständige Papiere bei sich.
Nachdem wir die Grenze überquert haben, werden wir von Michael und Eric empfangen, beide sind Mitarbeiter bei Volcafe und Arbeiten in der „Beneficio Wet Mill El General“. Die Englisch-Sprachkenntnisse der beiden ähnelt unseren in Spanisch, was unsere Fahrt auf der Panamericana mit unterhaltsamen Wortratespielchen sehr amüsanten Verwechslungen ausschmückt.
Die Gegend, in der wir die Mühle nach gut zwei Stunden erreichen, wirkt auf uns wie ein langgezogenes Industriegebiet vor der Stadt von San Isidro. Viele LKWs rauschen auf der Panamericana entlang, der längsten Schnellstraße der Welt, welche von Alaska bis Feuerland verläuft. Es gibt kaum Wohnhäuser in dieser Gegend und an den Ausläufern hinauf ins Bergland liegt die große Mühle. Der Name der Anlage kommt von dem nahegelegenen Fluss Rio General, welcher der längste des Landes ist und seine Quelle in den benachbarten Bergen von San Isidro hat.
Im Büro der Wet Mill werden wir herzlich von Alonso begrüßt, dem Manager von El General und er erklärt uns in fließendem Englisch die Abläufe. Aus einem Radius von 40 km um die Mühle herum kommen Lieferungen verschiedener Farmen. Um dies im rasch ansteigenden Bergland rings um den höchsten Berg von Costa Rica, Cerro Chirripó so effizient und einfach wie möglich für die 600 Bauern zu gestalten, gibt es über 140 Annahmestellen, die überall verteilt sind. Dort wird die Ernte pro Cajuelas, eine Teileinheit von „Fanega“, abgezählt. Das Maß der sogenannten „Fanegas“ geht wie so vieles auf die spanische Kolonialzeit zurück, welche es damals in Costa Rica einführten. Bis heute ist Costa Rica das einzige Land, das in dieser Maßeinheit Kaffeeertrag bemisst und das 1 Fanega als 400 Liter definiert sind, wird die Ernte somit in Volumen und nicht in Gewicht bewertet. Überall in den Kaffeegebieten Costa Ricas finden sich die großen Metallkisten die oben zwei Deckel haben und unten eine Öffnung, aus der die als 1 Fanega bemessene Menge an Kirschen in die Verarbeitungssilos fallen.
1 Fanega entspricht 20 Cajuelas, das sind in etwa 250 Kilogramm Kaffeekirschen. In diesem Jahr brachten ca. 600 Farmbetriebe einen Gesamtertrag von insgesamt 3000 Fanegas Rohkaffee zum Beneficio El General. Volcafe wickelt nach eigener Angabe ungefähr 30 -35 % des Gesamtertrags von Costa Rica ab und ist somit der Hauptexporteur von Kaffee aus Costa Rica.
Richy & Carlos Luis Torres – ein kleiner Familienbetrieb an den Hängen des Cerro Paraguas
An den Hängen des Cerro Paraguas, einem Ausläufer des größten Berges Costa Ricas, in dem beschaulichen Ort Buena Vista, widmet sich die Familie Torres Valverde dem Kaffeeanbau. Während eines Streifzugs durch die Plantagen, die die Mühle Beneficio El General beliefern, stellt uns Alfonso den engagierten Kaffeebauern vor. Sie besitzen ihre eigene Mikromühle und wir treffen zunächst auf Carlos Luis, der eine Wagenladung Repellas zur Annahmestelle bringt.
Als Repella bezeichnet man den Rest der Kaffeeernte zum Ende der Saison, wenn alles von den Feldern geholt wird, ob unreif oder überreif, damit sich dadurch keine Schädlinge aus den Kirschen in die Pflanzen einnisten können. Entsprechend minderwertig ist die Qualität der Bohnen, aber auch dafür findet sich Verwendung:
Solche „Qualitäten“ werden in der Regel äußerst dunkel geröstet und für löslichen Kaffee oder Cappuccino Tütchen genutzt.
Der kleine Betrieb grenzt direkt an ihr Wohnhaus von Vater Carlos Luis, Mutter Lica und Sohn Richard, genannt Richy, welcher uns schließlich herumführt. Alles wirkt gut organisiert und funktional, vom privaten Hühnerstall über die African Beds mit spektakulärer Aussicht, bis hin zum eigenen Entpulper. Richy steht neben der letzten guten Ernte, auf einer Gasplatte neben ihm kocht ein Wasserkessel und alles sieht nach stetiger Selbstkontrolle aus.
In seinem eigenen Kaffeelabor bereitet uns Richy schließlich eine Kostprobe zu und erzählt uns stolz von seinen Titelgewinnen bei nationalen Wettbewerben. Zusammen mit seinen Eltern vertreibt er seine hochwertigen Catuaí-Bohnen unter dem Namen „Kaly Coffee“. Gemeinsam setzen sie sich außerdem für den Naturschutzes ihrer Gegend ein und für die Erhaltung von natürlichen Ressourcen, sowie der Bekämpfung des Klimawandels.
Wir abschieden uns mit der Bitte in Kontakt zu bleiben und mit der Aussicht eventuell in naher Zukunft von den Torres eine Kostprobe im 24grad präsentieren zu dürfen.
Finca Brumas Del Zurqui – Fermentations-Experimente für die Zukunft des Kaffeeanbaus
Am nächsten Morgen fährt uns Alonso ein ganzes Stück weiter in Richtung der Hauptstadt San José. Das Gebiet der Provinz Cartago ist dort ähnlich hügelig und vegetativ vielseitig wie das Gebiet um San Isidro, jedoch ist die Bodenbeschaffenheit hier reichhaltiger an Mineralien, durch die Nähe zum Vulkan Irazú.
Als wir die Finca Brumas schließlich erreichen, begrüßt uns Juan Ramon Alvarado. Er ist Landwirt in vierter Generation und führt die Mühle im Auftrag von Volcafe, welche schon seit 125 Jahren besteht. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Aufbereitung und Fermentierungsmöglichkeiten von Specialty Coffee. Ramon verwendet auf seinem Land ausschließlich umweltfreundliche Produkte und hält sich an strenge ökologische Standards, um die Umwelt auf natürliche Weise zu schonen und die Qualität und den Ertrag seiner Kaffeespezialitäten zu verbessern.
Uns fällt sofort auf wie gut strukturiert und organisiert die gesamte Anlage ist und als uns Ramon zu einer Verkostung einlädt, sind wir sofort begeistert von der exzellenten Qualität. Er erzählt uns, dass das Konzept der Specialty Coffees aus der Not heraus geboren wurde. In den letzten Jahren verstärken sich negative Einflüsse wie steigende Energiekosten und Ernteausfälle durch den Klimawandel, Überproduktion in anderen Ländern und stagnierender Absatz von Kaffee auf dem Weltmarkt. Dies bedeutete für die Bauern, dass sie ihre Qualität verbessern und ihre Aufbereitungen effizienter gestalten mussten. Specialty Coffee bietet genau das; die Produktionen können aufrechterhalten werden und mit Ramons Einfallsreichtum und Vertrauen durch Volcafe steht der Farm eine gute Zukunft bevor.
Wir verabschieden uns hier von Ramon und auch von Alonso, der uns an Ricardo übergibt, welcher ebenfalls für Volcafe arbeitet. Er bringt uns am Nachmittag zur Mühle „San Diego“ am Stadtrand von San José.
Volcafe San Diego – Ein Rundgang mit Ricardo und Ricardo durch die betriebsälteste Mühle von Costa Rica
Ricardo stellt uns zunächst seinem Kollegen vor, welcher über eine langjährige Erfahrung im Kaffeebusiness zurückblicken kann. Sehr amüsant ist, dass er ebenfalls Ricardo heißt und schon lange und gern mit dem anderen Ricardo zusammenarbeitet.
Sie geben uns zusammen eine Führung durch die größte Mühle des Landes, welche bereits seit 1880 im Betrieb ist. Mehr als 2.000 Kleinbauern bringen, aktuell ihre Ernte hierher und teilweise genau wie damals mit einem Ochsenkarren oder zu Pferd. Die Ausmaße der Produktion auf der weitläufigen Anlage sind gigantisch und so werden wir mit Sicherheits-Equipment ausgestattet, während wir den beiden folgen. Die Geschäftigkeit ist beeindruckend, es gibt sogar einen Mitarbeiter, der eigens für die Kontrolle der Wasserqualität zuständig ist, er untersucht diese mehrmals täglich. Bei der Verarbeitung von Kaffeekirschen wird viel Wasser benötigt, daher wird im Beneficio San Diego das benutzte Wasser in großen Silos wiederaufbereitet und sauber in die Flüsse zurückgeführt. Außerdem wird die Pulpe (Fruchtfleisch der Kaffeekrischen) gesammelt und in einer separaten Fabrik zu Dünger für die Farmer aufgearbeitet. Wie genau sie den verwenden können und wie sie im Allgemeinen Probleme auf ihrer Farm besser analysieren und Einsparungspotenzial feststellen können, bringen ihnen das Projekt von Volcafe Way auf ihren Modelfarmen näher.
Wir bekommen mehrfach zu hören, dass Costa Rica das teuerste Land für Kaffeeanbau auf der Welt ist. Alonso erklärte uns bereits vor einigen Tagen, dass Volcafe einer Regulierung durch ICAFE unterliegt. Dies ist eine nichtstaatliche öffentliche Einrichtung, die 1933 als Dachverband des costa-ricanischen Kaffeeanbaus gegründet wurde und den Kaffeepreis für das Land festlegt. Dies bedeutet, dass Volcafe verpflichtet ist, den Bauern einen Vorschuss zu zahlen und nicht mehr als 9 % Gewinn von der Ernte abführen darf – der Rest kommt den Bauern zugute. Um diese Vereinbarung in gutem Einvernehmen zu halten, braucht es Mitarbeiter, die wissen, wie man mit Bauern gut umgeht. Es gibt große Unterschiede, manche sind seit Generationen Farmer, andere sind studierte, junge Start-ups, manche haben 2 Kaffeesäcke zu verkaufen, andere 10.000 Stück. Der Schlüssel für eine gute partnerschaftliche Zusammenarbeit, ist, einen Draht zur gesamten Familie der Kaffeeplantage zu haben. Es ist mehr als nur ein Business, erklärt uns Ricardo, es geht um Wertschätzung und Anteilnahme, genauso wie um gegenseitige Verpflichtung, sowie Ehrlichkeit auf familiärer Basis.
Nach unserem Rundgang werden wir zum Cupping eingeladen und es gibt hier gleich sechs Cuppintassen zum Verkosten, anstatt den üblichen 2-3 Stück. Als wir dies anmerken, erklären uns die Ricardos, dass es für ihre großen Lots wichtig ist auf die Kontinuität zu achten. Abweichungen können bei Großabnehmern problematisch sein. Aber wie erwartet kann sich jede Tasse geschmacklich sehen lassen, wir sind so begeistert, dass wir uns gleich eine Kostprobe für unsere Mitarbeitenden einpacken lassen.
Dies war die letzte Station unserer Reise durch die Ursprungsländer Panama und Costa Rica und wir freuen uns, so viele positive Eindrücke mit nach Hause nehmen zu können. Ebenfalls freuen wir uns über die vielen neuen Bekanntschaften, die wir schließen konnten und die wir hoffentlich in Zukunft weiter vertiefen können.































































































































































































